Anarchistische Gruppe Rostock

Anarchie und so – lecker, lecker!

Anarchie als Freiheit des Individuums

Anarchie in meinem Verständnis, kann nur die Freiheit des Individuums heißen und nicht etwa – wie teilweise bei anderen (sich sogar als anarchistisch begreifenden) Gruppen oder Personen der Fall – als Klassenkampf, als Freiheit einer bestimmten Ideologie oder gar Freiheit einer Klasse!

Ich behaupte, dass Klassenkampf, so wie das Konzept heute – zweckentfremdet und falsch bei Marx und Engels abgeguckt bzw. frei interpretiert – in großen Teilen der „linken“ oder „linksradikalen Szene“ verwendet und verstanden wird, zu mindest strukturell antisemitisch ist und im schlimmeren Fall sogar antisemitisch sein kann.

Da solche Ideen meinem Verständnis von Freiheit diametral entgegen stehen und auch sonst in keinem sich als „emanzipatorisch“ verstehenden Milieu etwas zu suchen haben, kann es für mich nur ein Anarchismus der Individuen geben. Demnach lässt sich die größtmögliche Freiheit für die einzelnen Menschen – welche im übrigen immer abhängig von ihrer (sozialen) Umwelt sind und es somit keinen absoluten Freiheitsbegriff geben kann – erreichen, indem sie ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse mit ihrem Umfeld aushandeln und definieren. Und vor allem kann so die Gefahr ein Stück weit verringert werden, die dialektisch in Konzepten wie dem des Klassenkampfs verankert ist.

*

Gegen Klassenkampf!
Gegen Antisemitismus!
Für die größtmögliche Freiheit der einzelnen Individuen!
Und in diesem Sinne: Für eine befreite Gesellschaft!

 

*PS: die Grafik ist als Polemik im Kontext des Artikels zu verstehen und spiegelt nicht unbedingt die exakte Meinung der_des Autor(s)_in wieder ; )

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This entry was posted on Freitag, August 26th, 2011 at 13:38 and is filed under Einzelpositionen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Responses to “Anarchie als Freiheit des Individuums”

  1. Syndikalistisch denkender Mensch
    17:03 on August 29th, 2011

    Die Sache mit der Klasse.

    Ich denke zum einen sollte mensch beachten, in welcher Zeit die Idee des Klassenkampfes entstanden ist. Nämlich, in aller Kürze ausgedrückt, in einer Zeit als sich der arbeitende Mensch a) sozial stark über den Beruf definierte und bei einem Beruf oft ein Leben lang blieb, b) die Lebensrealität von „Bürgertum“ und Produzenten sich erheblich unterschieden, womit auch eine faktische Identität geschaffen war und c) die Arbeiter*innen sich auch durch Konsum und Kleidung maßgeblich von dem Bürgertum unterschieden.

    Verdeutlicht werden kann dies vielleicht, wenn mensch ins frühkapitalistische England schaut. Anfangs wurde dort bei den Ökonomen nicht von „Class“ sondern von „Race“ gesprochen. Das rührte daher, dass es eher ungewöhnlich war, das es zwischen den ökonomischen Klassen einen größeren personellen Austausch gab. Bei der Berechnung des Arbeitslohnes ging mensch damals nicht von sozialen Standards oder Lebenserhaltung aus sondern fragte viel mehr danach, wieviel den Arbeitenden bezahlt werden muss. damit auf Lange Sicht genug überleben um die Produktion aufrecht zu erhalten. Eine wesentlich andere Situation als Heute.

    Schon in den 20ern begann in Deutschland die Zersetzung der „Identität Arbeiterklasse“ weil diese durch die Massenproduktion immer mehr die Möglichkeit erhielt sich zumindest scheinbar dem Bürgertum anzunähern. Damit einher ging, vorallem nach dem 2. Weltkrieg, eine Änderung des Blickwinkels. Die Menschen begriffen sich nun nicht mehr als Arbeiter*innen die mit dem von ihnen geschaffenen Mehrwert die Chefs bereichern, sondern als „Arbeitnehmer*innen“, dankbar sich bei jemand verdingen zu können, der SIE ernährt.

    Identität gibt es in diesem Sinne heute keine Arbeiter*innenklasse mehr. Und mit dem Aufstieg von Gesellschaften etc. können auch Arbeitnehmer*innen partiell zu Besitzenden oder Zwischenhandelnden werden.

    Und trotzdem: Es gibt eine Gesellschaftsschicht die den ökonomischen Mehrwert produziert und dabei meist nicht die Mittel der Produktion besitzt, also über sie verfügen kann. Die Klasse in ihrer ökonomischen, wenn auch nicht sozialen, Funktion ist also noch vorhanden. Und da diese Klasse ihre Arbeit in menschenfeindlichen Verhältnissen leistet, wird sie neben den erwerbslosen die potentiell unzufriedenste Schicht sein. Gleichzeit hält sie aber die Waffe in der Hand, mit der das kapitalistsche System angreifbar ist, sie kann die Produktion von Mehrwert, den Kapitalfluss unterbrechen und damit Wirtschaft und Staat in kürzester Zeit zum kollabieren bringen.

    Gleichzeitig müsste diese Schicht besonders organisiert sein, will mensch mit dem alten Wirtschaftssystem schluss machen. Wenn die produzierenden in einer Umwälzung nicht bereit und fähig sind die Produktion in Selbstverwaltung komplett zu übernehmen dann wird a) alsbald alles laufen wie bisher oder b) eine komplette Unterversorgung der Bevölkerung mit den entsprechenden Opfern entstehen.

    Von dieser Seite her ist es schon nötig die ausgebildeten und berufserfahrenen Schichten zu politisieren und in einer etwaigen Umwälzung hinter sich zu wissen.

    Andrerseits ist es natürlich völlig richtig, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft jedes Individuum leidet, ja leiden muss, da (sozialer) Leistungsdruck, gegenseitige Beherrschung und dauerhafte Unzufriedenheit treibende Motoren der jetzigen Wirtschaft sind. Deswegen muss der Chef genauso befreit werden wie der Beschäftigte. Nur der Beschäftigte wird es wohl schneller einsehen.

    😉 Lieben Gruß.

  2. Profilbild von Anarchistische Gruppe RostockAnarchistische Gruppe Rostock
    16:44 on August 31st, 2011

    Danke für diese relativ ausführliche Ergänzung. Eine historische Perspektive ist ja bei der Betrachtung der meisten Sachverhalte sehr wichtig.

    Ich hatte nur irgendwie den Eindruck du würdest mir mit deinem Kommentar auch ein Stück weit wiedersprechen wollen, auch wenn ich an sich gar keine großartigen Widersprüche zu dem Artikel erkennen kann. Oder liege ich hier falsch?

  3. Patrick_Patricia
    19:38 on September 9th, 2011

    http://kanalb.org/clip.php?clipId=2754&Vlang=ger

    -> Ein gutes Beispiel dafür wie Klassenkampf heute auch in (intellektuellen?) Kreisen verstanden werden kann, nämlich sehr unkonkret. Das macht es auch meiner Meinung nach gefährlich…

  4. Lemoncurd
    08:51 on September 12th, 2011

    „They are accumulating capital off your back.“ Ouch.
    Wer sind „sie“? Die mysteriöse Oberschicht, welche heimlich Gelder verschiebt..
    Ich persönlich habe das Gefühl, dass sich in letzter Zeit immer wieder ein bestimmter Typ Mensch zu allem Möglichen äußert. Vielleicht ist es Einbildung (wahrscheinlich…) aber diese „Vaterfigur“, älterer Herr mit grauem Bart und ruhiger Stimme, taucht in Reportagen dauernd auf. Dieser vernünftige, respektable Rentner, der schon viele Erfahrungen gemacht hat und uns allen doch nur Gutes will. Ich denke nicht, dass dieser Trend beabsichtigt ist, aber habe allzuoft das Gefühl, dass mensch sich leicht in das wohlige Gefühl der Behütetheit und einer vermeintlichen Sicherheit fallen lässt. Was gerade bei diesem Video fatal wäre. Speziell bei politisch noch ungefestigten Person könnte das zu einer Unreflektiertheit führen.
    Ich frage mich gerade, ob ich gegen das Medium Video bin und lieber annonimiesierten Text bevorzugen würde. Aber sicherlich hat das auch wieder Ausschlussmechanismen. Aber ich schweife ab.

    Was ich eigentlich sagen wollte war, dass auch ich hochgradig gefährlich finde, was dieser David Harvey da sagt und Klassenkampf ist doof und so.

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